Fotoausstellung2014Fotoausstellung im Landschaftsmuseum ... verlängert bis zum 12.04.2015.
Zur Finissage wird der Bildband vorgestellt.

Die Fotografien der Ausstellung stammen aus der gleichlautenden Edition. Diese Edition wird zusammen mit der Ausstellung erstmals öffentlich präsentiert.

Was ist der Westerwald? Dieser Frage kommen wir näher, wenn wir z.B. aus dem Urlaub zurück kommen und unseren Landstrich mit dem Blick des Touristen betrachten. Die Antwort liegt schnell auf der Hand: Der Westerwald ist grün. Eine Oase zwischen den Ballungsgebieten Rhein-Main und Rhein-Ruhr. Kein künstlich angelegter Park, sondern eine von Menschenhand kultivierte gewachsene Landschaft.

Grün setzt blau voraus, Wiesen und Wälder brauchen Wasser. Die Anzahl der Regentage im Westerwald ist groß genug, um die Pflanzen nicht nur grün, sondern auch erntereif werden zu lassen.

Und so zeigt das Hauptbild, das auf den ersten Blick Gras abbildet, grünen Sommerweizen im Frühjahr. Denn Getreide ist nichts anderes als Gras, Spezialgras. Aus diesen verarbeiten wir die Hunger stillenden Körner zu Brei, Brot und Bier. Wenn wir Brot essen, beißen wir ins Gras, wenn wir Bier aufnehmen, trinken wir es.
Vom Gras ernähren sich Rind, Ziege und Schaf; sie verwandeln das Grün in weiß, in Milch und Käse. Ihr Fleisch wird gegessen, ihre Wolle versponnen, ihre Haut zu Leder gegerbt. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang eine Rindviehrasse, die als „Westerwälder Rind“ einen eigenen Schlag bildete und deren Präparat im Stall des Museums zu sehen ist.

So wie der ICE-Haltepunkt in Montabaur ein Pendlerbahnhof ist, so wird sich der Westerwald insgesamt weiterhin als Pendlerwohngebiet entwickeln. Je attraktiver sich die Verkehrsanbindungen ausgestalten, desto mehr Leute werden sich aufgrund der geringeren Quadratmeterpreise, der ländlichen Umgebung und der geringeren Kriminalitätsrate im Westerwald ansiedeln wollen – vorausgesetzt, dass die Grundversorgung im Blick auf Bildung, Medizin und Internet-Technik entsprechend ausgebaut wird. Dann wird der Westerwald noch mehr Menschen aus aller Welt einen attraktiven Lebensraum bieten.
Aber im Westerwald ist das Pendeln nicht die einzige Alternative; innovative Unternehmungen haben hier ihren Standort, man denke z.B. an Netzwerk- und Windkraft-Firmen, nicht zu vergessen den Fleiß und das Schaffen der vielen mittelständischen und kleinen Betriebe.

Die Mobilität wälzt sich über die Straßen, vorwiegend im Individualverkehr. Die Auto-Dichte ist im Westerwald-Kreis am größten, die Zahl der jährlichen Verkehrstoten auch. Versuche, den Öffentlichen Personennahverkehr akzeptabler zu machen, wie z.B. das Projekt „Schleifenbus“ in Selters, sind als Anregungen sehr zu empfehlen.
100 Jahre liegt der Erste Weltkrieg zurück, 75 der Zweite, etwa 60 Jahre der Kalte Krieg. Zu diesen drei Kriegen nimmt die Edition Stellung. Die leeren Atom-Raketengräber in Montabaur-Horressen, die zum Kunst- und Kulturzentrum ausgebaut werden sollen, bilden den Höhepunkt künstlerischer Aneignung und Umgestaltung. Sie liegen, wie könnte es anders sein, im satten Grün des  Westerwaldes.

Text: Dr. Uli Jungbluth