Plakat Von Hollaendern Rollern und FahrraedernKinderfahrzeuge aus der Sammlung des Landschaftsmuseums Westerwald

Kabinettausstellung vom 15.02. bis zum 21. Juni 2026

Dr. Moritz Jungbluth

Wer hatte nicht bereits im Kindesalter einen fahrbaren Untersatz? Ob im Kinderzimmer oder draußen, überall dienten eigens für Kinder konstruierte Gefährte mit Rädern zur Fortbewegung. Dabei erstreckte sich das Spektrum zwischen Spielzeug und echten Fahrzeugen immer im Spiegel des jeweiligen Zeitgeistes. Davon zeugen ausgewählte Kinderfahrzeuge aus der Sammlung des Landschaftsmuseums Westerwald, die bis zum 21. Juni 2026 in einer Kabinettausstellung im roten Mühlenhaus zu sehen sind.

Um 1910 auf der Strasse in Montabaur Foto LMWOriginal erhaltene Objekte, die teilweise vom harten Einsatz auf der Straße und im Gelände gekennzeichnet sind, lassen nicht nur die Geschichte des Kulturphänomens Mobilität aus Sicht der Kinder nachvollziehen, sondern wecken sicherlich auch emotionale Erinnerungen an die eigene Kindheit und das frühzeitige Bedürfnis nach Bewegung. Dabei sind schnittige Serienmodelle genauso zu bestaunen wie robustere und modifizierte Fahrzeuge, welche vom Vater technisch „aufgerüstet“ und farblich bunt gefasst wurden. Kreativität und Erfindergeist kommen so auch im Rahmen unbändiger Bewegungsfreude zum Ausdruck.

Kinderfahrzeuge 110153Bei manchem Fahrzeug ist das Vorbild aus der Erwachsenenwelt unverkennbar und zeugt gleichsam von sozialem Status, Erziehungsmethoden und Geschlechterrollen. Die Kinder lernten so als kleine Erwachsene bereits ihre für später vorgesehenen Positionen anhand der Fahrzeuge en miniature kennen. Trotzdem boten diese aber auch Möglichkeiten zur Auslebung eigener Phantasievorstellungen, zur Ausgelassenheit und vor allem auch zur Unabhängigkeit, denn aus der Kinderperspektive ließ sich mit dem eigenen Fahrzeug auf imaginäre Reisen begeben und theoretisch „überall“ hinfahren. Ganz gleich, ob man sich dabei auf den Vehikeln sitzend oder stehend fortbewegte, förderten beide Varianten das Raumgefühl und regten zur Entdeckung praktischer Zusammenhänge an. So waren Kinderfahrzeuge mehr als bloße Spielzeuge, dienten teilweise auch anderen Zwecken oder hatten mehrere Funktionen.

Rund 100 Jahre Mobilitätsgeschichte präsentiert die Kabinettausstellung. Ältestes Fahrzeug ist dabei ein sogenannter „Holländer“, der noch überwiegend aus Holz gefertigt ist. Das vierräderige Gefährt musste mit einer ruderartigen Wippbewegung der Arme in Gang gesetzt werden, während das Lenken mit den Beinen geschah. Dies diente nicht nur der reinen Fortbewegung oder dem Spiel, sondern auch der motorischen Bewegungsübung.

Einfache Holzroller lassen erahnen, wie man sich mit wenig Komfort über gepflasterte Straßen fortbewegte. Schließlich zeugen Dreiräder und Fahrräder aus Metall mit Luftbereifung und Kettenantrieb von der weiteren Entwicklung der Kinderfahrzeuge, die in Ausführung und Material stets den kulturellen und technischen Neuerungen folgte. Eines haben sie alle gemeinsam: Reine Muskelkraft ist die Voraussetzung des Antriebs.

Um 1910 auf der Strasse in Montabaur Foto LMW

Um 1910 auf der Straße in Montabaur, Foto LMW

Spielende Kinder in Ransbach 1930er Jahre Foto LMW

Spielende Kinder in Ransbach, 1930er Jahre, Foto LMW